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Die Geschichte vom Mann, der Heilige haut,
Main-Post, 16.4.2004
Heitere Lehrstunde, Leporello,
April 2004
Main-Post Würzburg, 16. 04. 2004
Die Geschichte vom Mann, der Heilige haut
Sie saß in Souffleusenkästen von Innsbruck bis Stockholm - aber Cornelia Boeses
Liebe gilt der Domstadt. Nun hat sie ihre ganz persönliche Hommage an Würzburg
verfaßt, mit vielen Künstlergeschichten.
"Stellen Sie sich vor, Sie wollen mit einem profunden Würzburg-Wissen
prahlen . . ." Cornelia Boese, Opernsouffleuse am Mainfranken Theater, Poetin
und Musikerin, lächelt verschmitzt. Charmant entwirft sie eine nächtliche
Szenerie auf dem Marktplatz, die nach ein paar Schoppen mit ortsfremden Freunden
folgendermaßen aussehen könnte: Ein weinseliger Stopp vor der Marienkapelle! Die
Blicke empor zu dem steinernen Adam, jener Figur, die - nebst Eva - einst Tilman
Riemenschneider geschaffen hat. Und dann die fröhlich-feierliche Rezitation
ihres 110-Zeilen-Reims unter der Überschrift "Meister Till haut Heilige" -
natürlich auswendig!
Dieser Vers aus ihrer Feder ist eines von zwölf Kabinettstückchen, die ihr
gerade erschienenes Bändchen "Von Räubern, Feen und großen Geistern" zu einer
köstlichen Lehrstunde über Würzburg machen. Eine erzählt von Tilman
Riemenschneider, Bildhauer und Bürgermeister zu Würzburg, fabuliert launig den
Lebenslauf des mainfränkischen Stars und die Eckdaten seiner Arbeit in
rhythmische Reime. Denn - im O-Ton Boese - haut er "Heilige und Engelein/
Apostel und Getier in Stein/ er schnitzt Madonnen mit dem Kind/ aus Lindenholz,
die lieblich sind . . ."
Cornelia Boese muss nicht prahlen nach "Stachel"- oder "Ratskeller"-Schoppen.
Die geborene Würzburgerin hat nach Monaten gründlichster Recherche, Besuchen von
Originalschauplätzen und unzähligen Führungen die farbige Vergangenheit der
Domstadt parat. Riemenschneider beispielsweise ist im Sommerferien-Gepäck mit
nach Schweden gereist. Er hat die Urlauberin so beschäftigt, daß sie nicht
rechtzeitig aus dem Bus ausgestiegen ist, weil sie "einfach zwei Zeilen nicht
zusammengekriegt" hat zu einem gefälligen Reim.
Die Würzburger Künstlergeschichten - denn von Walther von der Vogelweide bis zu
Emy Roeder finden sie ihren Platz in diesem dritten Bändchen aus ihrer Feder -
sind eine ganz persönliche Hommage an Würzburg. "Meine Liebe zu dieser Stadt ist
so heftig, dass mich nicht einmal die Wiener Staatsoper abwerben konnte",
erzählt die vielseitig beschäftigte junge Frau.
In der Unterwelt zu Hause
Sie hat Schule und Studium in Würzburg absolviert, spricht eine Handvoll
Sprachen perfekt, spielt Geige, Cello und Klavier, moderiert regelmäßig die
Kinderkonzerte im Mainfranken Theater und taucht auch dieses Jahr wieder im
Mozartfest-Programm auf. Die Unterwelt des Theaters kennt sie aus
Souffleusenkästen von Stockholm bis Innsbruck und bekommt immer wieder
hochkarätige Angebote von allen Seiten.
"Ich liebe den Weg über die Alte Mainbrücke zum Theater, mein kleines Häuschen
an der Schleuse, wo der Graureiher sitzt, betrachte den Hofgarten - in
Ermangelung eines eigenen - als fürstlichen Ersatz und genieße wie Goethe und
Tucholsky den Frankenwein", strahlt sie. Und erinnert sich lebhaft an
Schlittenfahrten auf der Frankenwarte. Zeigt mit großer Begeisterung neuen
Kollegen die verwunschensten Fleckchen der Stadt am Main und gibt Hermann Hesse
Recht, der meinte, hier ließe sich's gut Dichter sein.
(Ursula Düring)
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Leporello, April 2004
Heitere Lehrstunde
„Für Leute mit Lyrik-Intresse
sei Würzburg, so meint Hermann Hesse,
der richtige Ort.
Ich nehm ihn beim Wort
und nutz die gepries'ne Adresse.“
Dieser Limerick sagt alles. Er stammt aus der Feder von Cornelia Boese, der
Würzburger Opernsouffleuse. Mit ihrem gerade im Würzburger Buchverlag Peter
Hellmund erschienenen Gedichtband „Von Räubern, Feen und großen Geistern“ legt
sie eine vergnügliche Lehrstunde zu Würzburg und den schönen Künsten vor. Eine
Hommage an all die Großen, die in Würzburg lebten, arbeiteten oder im
Vorbeikutschieren ein Täßchen Kaffee tranken. Die „Würzburger
Künstlergeschichten“, wie das hübsche gelbe Büchlein mit Zeichnungen von Bärbel
Taylor im Untertitel heißt, erzählt in Reimform von der minniglichen Liebe eines
Walter von der Vogelweide, vom genialen Tilman Riemenschneider, der Heilige in
Stein und Lindenholz haute, und vom Bauwurm Balthasar Neumann. In der kleinen
Versgeschichte um Giambattista Tiepolo geht es um den Himmel auf Erden, im
Kapitel über Goethe um edlen Traubensaft – allerdings in größeren Mengen. Auch
der geniale Richard Wagner, der in Würzburg seine Erstlingsoper „Die Feen“
komponierte, und der Vater des Mozartfestes Hermann Zilcher gehören zu den
großen Geistern Würzburgs. Und die Schreiberlinge Kurt Tucholsky, der mit seinen
Freunden Jakopp und Karlchen die gesamte Region unsicher machte, und Leonhard
Frank, der eine Räuberbande mit Lokalkolorit erfunden hat, erhalten in den
Reimen der Poetin noch ein Stückchen mehr Unsterblichkeit, als sie ohnehin schon
haben. Und was die Feen betrifft: Laut Boese gehören Emy Roeder und Gertraud
Rostosky dazu. Auch sie steckt sie in Reime, die ein Stückchen Würzburger
Wahrheit und Geschichte festhalten.
(Ursula Maria Martin)
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Räubern, Feen und großen Geistern
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