Main-Echo Aschaffenburg, 13.11.2002

Dirigent mit Zauberhut

Erstes Jugendkonzert der Würzburger Philharmoniker

Ein Dirigent mit einer gefährlich aussehenden Schlange um den Hals, Hundetatzen an den Füßen und einem spitzen Zauberhut auf dem Kopf? Wir befinden uns im Würzburger Mainfranken Theater, das rechtzeitig zum Kinostart des neuen Harry-Potter-Films die ersten Familien- und Jugendkonzerte der neuen Spielzeit als Zauberkonzerte konzipiert hat.
Zum Auftakt gab es Goethes "Zauberlehrling" mit der Musik von Paul Dukas, aber eigentlich wartete das große und kleine Publikum im ausverkauften Großen Haus auf den modernen Zauberlehrling Harry Potter. Der kam mit Theaterrauch aus dem Souffleusenkasten auf die Bühne geklettert, was schon deshalb sein mußte, weil es sich um Cornelia Boese handelte. Die 32-Jährige souffliert den Würzburger Opernsängern, dichtet und hat im Auftrag ihres Theaters den ersten Harry-Potter-Band so verkürzt und umgeschrieben, dass er auf die Filmmusik von John Williams passt. Zu jedem Teil dieser Suite hat sich Cornelia Boese kleine Zaubereien einfallen lassen und dabei auf die Mitwirkung der sichtlich amüsierten Orchestermusiker bauen können.
Da spritzt Konzertmeister Franz Fischer mit einer Wasserpistole auf Dirigenten und Zuhörer, da wackeln Plüsch-Eulen auf Harfe und Kontrabaß mit den Flügeln, da plumpst ein grüner Stoff-Frosch aus der Tuba, da segelt ein Besen am Drahtseil quer durch den Theatersaal, da spuckt Dirigent Klaus Straube ein Bonbon aus der Kollektion "Bertie Botts Bohnen aller Geschmacksrichtungen" aus und schimpft "Pfui Teufel! Ohrenschmalz!" Wie sich das für Harry Potter gehört, fliegt eine goldverpackte Schoko-Kugel als Imitat des Zauberballes "Goldener Schnatz" in das Publikum.
Begeisterung bei den kleinen Potter-Experten. "Stimmt, das kenne ich aus dem Film", sagten viele anerkennend über die Musik des Philharmonischen Orchesters, dem man den Spaß an diesem ungewöhnlichen Konzert anhörte. Wenn Kinder mit Begeisterung etwas anderes als Pop hören, hat sich ein solches Konzert für das Theater schon gelohnt. Die zehnjährige Lucia fand besonders aufregend, dass es gleichzeitig schöne Musik und eine spannende Geschichte zu hören gab.
Cornelia Boese las sie lebendig und fesselnd, mal von der Bühne, mal aus dem Publikum, oder auch unsichtbar von hoch oben aus der Bühnentechnik. Sie erfasste auch die Weisheit der Geschichte von Harry, der vom bösen Zauberer Voldemort verfolgt und vom guten Zauberer Dumbledore beschützt wird: "Wenn Voldemort eins nicht versteht, dann ist das die Liebe. Tief geliebt worden zu sein hinterlässt einen Stempel. Eine solche Liebe gibt einem Menschen für immer ein wenig Schutz."

(Astrid Freyeisen)



Volksblatt, 19.11.2002


Einfach verhext

Wenn ein Rabe auf einem Besenstiel schwebt und eine Kröte aus der Tuba fällt, dann geht irgend etwas nicht mit rechten Dingen zu. Schläft dann auch noch ein Dirigent vor seinen Musikern und Rauch wallt über die Bühne, dann kann nur Magie im Spiel sein. Die entfaltete sich beim Familienkonzert „Von Magie und Zauberdingen“ im Mainfranken Theater. Aus dem Qualm räkelte sich ein dünner Zauberlehrling. Mit Spitzhut, schwarzem Umhang und runder Brille paßte Cornelia Boese in die Zauberwelt, in die sie Groß und Klein entführte.
Mit der Geschichte vom vorwitzigen Zauberlehrling, die sich Goethe ausgedacht hat, verzauberte sie die Zuhörer im vollbesetzten Haus. Dirigent Klaus Straube verhexte das Philharmonische Orchester zu einer stimmungsvollen Wiedergabe des Scherzos „Der Zauberlehrling“ von Paul Dukas, entlockte den Musikern mit seinem Zauberstab die Kindersuite „Harry Potter and the Sorcerer's Stone“ von John Williams. Hexenmeistermäßig verstand er es, die verschiedenen Instrumentengruppen magisch und geheimnisvoll klingen zu lassen, während Zauberlehrling Boese sich durch die Orchesterreihen schlich, bevor sie ein neues Abenteuer Harry Potters wunderbar artikuliert vorlas. Die über die Bühne wandernden Augen entdeckten derweil Mäuse und allerlei Krötengetier, eine Schlange um den Hals des Dirigenten, auf dem Fagott eine Katze – und auch noch Bärentatzen an den Füßen einer Geigerin. Es ging einfach nicht mit rechten Dingen zu!
Hoffentlich gibt's noch eine Wiederholung.

(Ursula Düring)

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