Verführung in Pink,   Main-Post, 2.6.2008
Souffleuse mit Hang zum Schreiben,   Main-Echo, 20.8.2005
Was Souffleuse Boese aus der Unterwelt treibt,   Main-Post, 5.8.2005
Theater verabschiedet Souffleuse Boese,   Main-Post, 29.7.2005
Bühne frei für das Theaterleben,   Main-Post, 30.12.2004
Gesicht des Tages,   Main-Post, 12.7.2004
Wolferls Hund verwirrt Maget,   Boulevard Würzburg, 11.6.2004
Den Sängern immer einen Tick voraus,   FAZ, 18.3.2003
Hilfreiche Stimme aus der Unterwelt,   Die Kitzinger, 17.6.2002
Erlöse von der Souffleuse Boese,   Main-Post, 22.4.2002
Souffleuse spendet für ihr Theater,   Volksblatt, 20.4.2002
Der kleinste Arbeitsplatz der Welt,   Rheinischer Merkur, 22.4.2001
Unsichtbare hört man nicht schreien,   Volksblatt, 20.11.1995
Neue Gesichter am Stadttheater,   Main-Post, Sept. 1995
                                                                                                                             zurück zu Souffleuse Boese


Main-Post, 2.6.2008

Verführung in Pink

 Ja, was machen denn die da oben? Sitzen die Musiker des Philharmonischen Orchesters doch glatt auf der Bühne statt im Orchestergraben, wo sie hingehören. Aber: Gehören sie wirklich immer in die Versenkung? Am Würzburger Mainfranken Theater zeigt Bernhard Stengeles Inszenierung von "Cosi fan tutte", daß es manchmal sinnvoll ist, wenn ein Regisseur querdenkt und die herkömmliche Sitzordnung über den Haufen wirft. Die Premiere beim Mozartfest bescherte dem Publikum im voll besetzte Haus ein ganz neues Opern-Erlebnis.
Denn plötzlich scheinen alle irgendwie mitzuspielen. Zofe Despina (quirlig und frivol: Susanne Thielemann) flirtet schon mal mit dem Ersten Geiger, Auftritte durch den Zuschauerraum sorgen für zusätzliche Überraschungen und beziehen das Publikum mit ein. Auch die Souffleuse (Cornelia Boese) darf mitspielen. "F sieben!" ruft Intrigant Don Alfonso (allein die Mimik von Johan F. Kirsten ist sehenswert) Orchesterleiter Viktor Åslund den nächsten Akkord zu - so geht das drei Stunden lang ...

(Ralph Heringlehner)

 

Main-Echo Aschaffenburg, 20.8.2005

Souffleuse mit Hang zum Schreiben

Sie war eine Institution am Mainfranken Theater: Cornelia Boese, die reimende Souffleuse. Nun verläßt sie ihre Wirkungsstätte, den dunklen Kasten unter der Bühne, die Unterwelt des Würzburger Theaters, wo sie seit 1990, zuerst aushilfsweise, später offiziell, als „gute Fee im Kasten“ anfangs für das Schauspiel, dann für die Oper und alles, was mit Gesang zu tun hatte, tätig war. Cornelia Boese hat den Entschluß gefaßt, „nach oben zu steigen“ und sich in das Abenteuer einer frei schaffenden Dichterin zu stürzen.
Wie das? Obwohl sie doch immer noch am Soufflieren hängt? Die Ursache für diese Veränderung liegt an zwei Gründen: Einmal fühlte sich die dunkelhaarige, schlanke 32-Jährige, die so unternehmungslustig wirkt, Süßes liebt, eine Elch-Sammlung (aus Plüsch) besitzt und gerne auf dem Main paddelt, vom Vertrag und dessen Bedingungen bei geringer Bezahlung nach 15 Jahren doch zu sehr eingeschränkt. Auf Grund der „Residenzpflicht“ konnte sie sich nicht vom Theater ohne Erlaubnis des Intendanten entfernen, war Tag und Nacht im Kasten unabkömmlich und durfte die Stadt nicht einmal zum Einspringen an anderen Theatern verlassen.
So aber konnte sich Cornelia Boese ihrer zweiten Berufung, dem Dichten und Schreiben, nicht ausreichend widmen und nahezu keine Lesungen aus ihren mittlerweile fünf Büchern realisieren. Dabei waren es gerade die erzwungenen Pausen beim Soufflieren, die sie ursprünglich zum Dichten witzig hintersinniger Verse oder zum Ausdenken von geheimnisvoll märchenhafter Geschichten anregten. Schon 1979 veröffentlichte sie ihr erstes Gedicht.
Das Gefühl für Rhythmus und die Sprachmelodie hat sie im Blut; vielleicht wurde diese Begabung durch das Musikstudium noch geschärft. In verschiedenen Fächern, so Klavier und Nebenfach Cello, in Musikwissenschaft und Dirigieren hat sie an der Hochschule für Musik ihr Staatsexamen abgelegt, daneben aber noch diverse Sprachen erlernt. Der Weg in den Souffleurkasten als Beruf war nicht der gewöhnliche. Normalerweise sind solche „Einflüsterer“ Sänger oder Sängerinnen, die ihre Karriere beendet haben. Cornelia Boese aber wurde während ihres Studiums vom Bazillus des Soufflierens befallen; nach dem Jobben beim Schauspiel erhielt sie die „höheren Weihen“ für die Oper als Aushilfe in Verdis „Maskenball“ und in der „Melusine“ von Reimann. Ihre erste fremdsprachige Oper war die schwedische Fassung von Camille Saint-Saens „Samson und Delila“ 1991 an der Folkoperan Stockholm, dann kamen Gastspiele in Innsbruck auf Italienisch mit Mozarts „Le nozze di Figaro“. All dies begeisterte sie so sehr, daß sie nach der Hochschule das Soufflieren als Beruf wählte. Das bedeutete nicht nur Vorsagen, wenn einmal einer oben auf der Bühne einen „Hänger“ hat, nicht weiter weiß, sondern Partitur lesen können und oft auch den Sängern Einsätze geben. Dirigieren sollte man dazu schon können.
Mit all ihren Fähigkeiten machte sich Cornelia Boese schnell einen Namen. Auch die Wiener Staatsoper war an ihr interessiert, und Bayreuth fragte so ziemlich jedes Jahr bei ihr an, ob sie soufflieren könne. Doch diese reizvollen Abstecher an andere Häuser konnte sie wegen des strengen Vertrages nicht wahrnehmen. Dennoch hat sie intensive, schöne Erinnerungen an ihre „Flüsterjahre“. Stolz ist sie auf die Uraufführung von Salieris „Kublai Khan“: Sie hatte das italienische Libretto ins Deutsche übersetzt, nachgedichtet, denn die Silben sollten sich reimen, und noch dazu sollte der Text den jeweiligen Sängern, etwas Diana Damrau oder Christian Gerhaher, auf den Leib geschrieben sein. Und aus der eigenen Vorlage zu soufflieren erscheint ihr „das Höchste“. Aber auch an Menschlich-Allzumenschliches denkt sie noch, etwa an Moises Parker, den Tristan aus eben jener Oper Wagners, der so schwitzte, daß der Schweiß von oben in ihren Klavierauszug tropfte.
Seufzend meint sie, daß es am Theater „nur ganz oder gar nicht“ gibt, und leider existiert Souffleuse nicht als Teilzeitberuf. Dennoch hofft sie, daß sie ab und zu als Aushilfe gerufen wird. Leider kann sie wohl auch nicht mehr die Kinderkonzerte moderieren, die sie drei Jahre lang mit witzigen Ansagen und eigenen musikalischen Beiträgen gestaltete. Ihre junge Fan-Gemeinde wird da sehr traurig sein. Allerdings wird sie weiterhin die begehrten „Führungen hinter den Kulissen“ veranstalten.
Dafür kann Cornelia Boese sich nun dem Schreiben zuwenden, Auftragsgedichte verfassen, Lesungen veranstalten und musikalische Programme anbieten. In Würzburg will die Künstlerin „wegen der wunderbaren Lebensqualität“ bleiben; da genießt sie von ihrem Häuschen am Fluß aus die schönste Aussicht auf Festung und Main und kann gleich mit ihrem roten Paddelboot „in See stechen“. Ihr nächstes Buch kommt im November heraus. Man darf gespannt sein.

(Renate Freyeisen)

nach oben




Main-Post Würzburg, 5. 8. 2005

Was Souffleuse Boese aus der Unterwelt treibt

Die junge Würzburger Künstlerin hat nach ihrem Abschied vom Mainfranken Theater zahlreiche Pläne

Würzburg   „Es war knallhart, zum letzten Mal im Souffleusen-Kasten zu sitzen.“ Cornelia Boese nimmt einen Schluck aus der großen Tasse Milchkaffee und wirkt einen Moment lang ein wenig wehmütig und auch ein bißchen verwundert. Wehmütig, weil sie nicht mehr Souffleuse am Würzburger Mainfranken Theater ist. Verwundert, weil das Ende ihres Engagements irgendwie doch recht plötzlich gekommen ist.
Doch der Moment ist schnell vorüber, die Tasse steht wieder auf dem Tisch und ein ansteckendes, schelmisches Lächeln blitzt aus den Augenwinkeln der jungen Frau: „Ich bin voller Ideen und Optimismus.“ Vielleicht hat sie genau das gebraucht: Einen Anlaß, aus dem festen Engagement auszusteigen und ihr Glück als Freiberuflerin zu suchen.
Der Anlaß, das waren die Vertragsverhandlungen mit der Theaterleitung. Wie Sänger und Schauspieler mußte die Souffleuse Jahr für Jahr ihren Vertrag verlängern. Der knebelte sie zu sehr. Die 35-Jährige war zuletzt die einzige Full-time-Souffleuse im Musiktheater. Manchmal war sie auch im Schauspiel dran. Freizeit? Ein Fremdwort. So konnte es nicht ewig weitergehen. Also verlängerte sie den Vertrag diesmal nicht und wagte „den Sprung in die Freiheit“. Ganz vorsichtig, als müsse sie derartige Sätze erst noch einüben, sagt sie: „Vielleicht kann ich jetzt sogar mal ins Kino . . .“
Doch es geht nicht um Freizeit. Cornelia Bose ist nach Zeitungsartikeln (unter anderem im Stern) und Fernsehsendungen nicht nur Deutschlands bekannteste Souffleuse. Sie hat auch zunehmend Erfolg mit ihren Büchern. Die sind eine ganz besondere Art von Lyrik: Boese bedichtet in bemerkenswert locker fließendem Rhythmus Mozart ebenso wie das Leben am Theater. Das nächste Werk – Alpträume Würzburger Prominenter – ist fertig und soll am 4. November in den Kammerspielen des Mainfranken Theaters präsentiert werden.
Eine Autorin muß in der Öffentlichkeit präsent sein. Sie ist auch finanziell auf Lesungen angewiesen. Von den Tantiemen aus dem Buch-Verkauf  kann eine Donna Leon leben, eine Cornelia Boese kann es noch nicht. Lesungen – das war bislang sehr problematisch. „Ich saß nur noch im Souffleusenkasten“, erzählt sie, „ich kam überhaupt nicht mehr raus, ich war immer in der Unterwelt "unabkömmlich."
Und da war auch noch die Residenzpflicht. Weiter als 30 Kilometer durfte sie sich ohne Urlaubsschein nicht von Würzburg entfernen. Das ist üblich, aber es stört. „Neulich hab' ich mir ,La Traviata‘ in Weikersheim angeschaut. Weikersheim. So weit weg. Ich hab' mich gefühlt, als wär' ich in Australien“ erzählt sie, spitzt die Geschichte dabei etwas zu, drückt aber doch echte Gefühle aus.
Ohne festes Engagement gibt es auch kein regelmäßiges Gehalt. Cornelia Boese sieht sich dennoch nicht mit Schirm unter einem undichten Dach reimend wie Spitzwegs „Armer Poet“. So üppig sei die Souffleusen-Gage nun auch nicht gewesen, daß die Umstellung ins Leben als Freiberuflerin nicht zu bewältigen wäre.
Optimistisch für eine Zukunft „in der Oberwelt“ ist sie, weil sie durch ihr vielseitiges Studium an der Würzburger Musikhochschule mehrere Standbeine hat. Sie kann Instrumentalunterricht geben und als Übersetzerin tätig sein (eine Handvoll Sprachen beherrscht sie nämlich auch). Sie wird weiterhin einmal im Monat Führungen hinter die Kulissen des Mainfranken Theaters übernehmen und hofft, auch künftig für Kinderkonzerte engagiert zu werden. Dann sind da die Lesungen. Nächstes Jahr ist Mozartjahr, der Geburtstag des Komponisten jährt sich zum 250. Mal. Da sei sie „zwischen Salzburg und Oldenburg“ unterwegs, um auf launige Art Konzerte zu moderieren. Sie schreibt im Auftrag Gedichte zu Geburtstagen, Hochzeitstagen und anderen Jubel-Anlässen, und: Sie will als Gast auch an anderen Häusern soufflieren. Zum Beispiel hätten in der Vergangenheit immer wieder die Bayreuther Festspiele bei ihr angefragt und auch Nürnberg und Coburg seien an der Würzburger Souffleuse interessiert.
Nach 15 Jahren hat sich Cornelia Boese – ein Bild mit Symbolcharakter – aus dem engen Kasten unter der Bühne des Mainfranken Theaters  gewunden und viele Zwänge abgeworfen. In Würzburg will sie aber bleiben. Das ist kein Zwang. Sie lebt gerne hier und sieht hier auch Stoff genug für weitere Bücher. Und dem Mainfranken Theater, dem sie dankbar ist für die inspirierende und aufregende Zeit unter „der Brettern, die die Welt bedeuten“, bleibt sie auch weiterhin verbunden

(Ralph Heringlehner)

nach oben

 

Mainpost, 29.7.2005

Theater verabschiedet Souffleuse Boese

Cornelia Boese hört als Souffleuse des Mainfranken Theaters auf. Sie will künftig freiberuflich arbeiten. An diesem Freitag wird sie im Anschluß an die Vorstellung der Operette „Der Bettelstudent“ auf der Bühne verabschiedet. Sie werde dem Würzburger Haus aber weiterhin verbunden bleiben, heißt es in einer Presseerklärung des Theaters. Cornelia Boese werde weiterhin Besucher hinter die Kulissen des Theaters führen.
Cornelia Boese, seit 1995 am Mainfranken Theater engagiert, hat sich zuletzt vor allem einen Namen durch ihre Bücher gemacht. Der nächste Band ist schon fertig: „Boese Träume“ schildert – wie gewohnt in munter gereimter Form – fiktive Träume Würzburger Prominenter.

nach oben

 

Mainpost, 30.12.2004

Bühne frei für das Theaterleben

Das Mainfranken Theater kommt am Samstag, 1.1.05, um 19 Uhr als Film-Dokumentation ins Fernsehen. Regisseur Andrzej Klamt porträtiert das Würzburger Theater im Rahmen der TV-Serie „Theaterlandschaften“ im ZDF/ Theaterkanal. In 30 Minuten wird ein Abriß der 200-jährigen Geschichte gezeigt: Historisches Filmmaterial, Gespräche mit dem Kantine-Frauen und Schauspielern, die hier ihre Karriere begonnen haben. Gäste von Klamt sind: Schriftsteller Peter Roos, die Operndiva Waltraud Meier, die am Main begann, die Souffleusen-Dichterin Cornelia Boese, der Theater-Mäzen Bolza-Schünemann, früherer Intendant und Schauspieldirektor. Nach dem 30-Minuten-Film kommt Intendant Hermann Schneider noch einmal in einem eigenen rund zehn-minütigen Interview zu Wort.
Im Herbst 2005 wird der Beitrag dann über das Kulturprogramm 3-Sat nochmals ausgestrahlt.

nach oben

 

Mainpost, 12.7.2004

Gesicht des Tages

Souffleuse Cornelia Boese hat ihren Aufruf zum Retten des Mainfranken Theaters extra für die Mainpost gedichtet:

„Wenn wir kein Theater mehr hätten,
dann müßt man nach Meiningen jetten,
um's nicht zu vermissen.
Finanzhindernissen
zum Trotz müssen wir es drum retten!“

nach oben

 

Boulevard Würzburg, 11.06.2004

Wolferls Hund verwirrt Maget

Was wissen die Promis über Mozart?

Boulevard Würzburg hat prominente Gäste des Mozartfests beim Auftakt in der Residenz zu einem Wissenstest über den Komponisten aufgefordert. Hut ab! Alle wußten, wann das virtuose Kerlchen geboren ist.
Alle - bis auf eine. CSU-Bundestagsabgeordnete Marion Seib (5 von 15 Punkten) setzte bei dieser Frage ihren Joker und schnitt auch ansonsten nicht sehr gut ab. Macht aber gar nichts, denn sie findet sich in guter Gesellschaft.
Das Verleger-Ehepaar Margret und Robert Krick haben nur einen Punkt mehr (Mozart hat sich nicht umgebracht!), SPD-Spitzenmann Franz Maget nur zwei. Er wußte zwar, daß Mozart nie sagte "God is a DJ"), jubelte ihm aber das Adenauer-Zitat unter: "Wir leben alle unter demselben Himmel, aber wir haben nicht alle denselben Horizont."
Wie Recht Adenauer doch hatte: Cornelia Boese, Souffleuse vom MainfrankenTheater und Buchautorin, blieb mit ihrem Wissen unerreicht. 13 von 15 Punkten. Spitzenklasse! Sie wußte lediglich nicht, was der Mozart-Effekt ist und daß Mozart in Italien mit zwei verschiedenen Namen auftrat. Boese war damit sogar besser als die drei Musiker Michael Vogt, Ulrich Schönauer und Christian Kaufmann vom Wiener Concert-Verein (12 Punkte), die zu dritt ihre Kreuzchen machten, aber z.B. nicht wußten, wie aufwendig die Mozart-Kugeln in der Herstellung sind.
Auch 12 Punkte hatte Klaus Heuberger, Chef-Organisator des Mozart-Fests, den Boulevard Würzburg beim Plausch mit seinem ehemaligen Musiklehrer Klaus Linsenmeyer traf. Der wußte genauso viel wie sein ehemaliger Schüler.
Bundesfamilienministerin Renate Schmidt wollte sich erst vor dem Test drücken, machte dann doch mit und landete mit Barbara Stamm auf Rang 4.
Michael Glos, CSU-Landesgruppen-Chef, ließ seine Frau Ilse denken. Und sie machte das sehr gut. 10 Punkte - und damit mozartete sie in derselben Liga wie die Journalistin Astrid Freyeisen und Wolfgang Bötsch. Mit 8 Punkten knapp dahinter: der Mann vom Rettungsdienst, Martin Hager.

(Britta Buss/Ivo Knahn)

nach oben

 

FAZ, "Schüler schreiben", 18.3.2003

Den Sängern immer einen Tick voraus

Ein Holzstuhl mit Kissen, ein kleiner Monitor, eine Lampe und ein Notenständer, die Beine im Freien baumelnd – so sieht er aus, der Arbeitsplatz von Cornelia Boese, der Souffleuse am Mainfranken Theater Würzburg. „Ein bißchen eng ist es schon“, sagt die schmale Dreiunddreißigjährige mit den dunklen Haaren und der ausdrucksstarken Mimik. „Die Kunst beim Soufflieren ist es, immer einen Tick vor den Sängern anzufangen, damit sie dann rechtzeitig zum Einsatz kommen“ erklärt sie und demonstriert das den Besuchern. Die schaffen es zwar rechtzeitig, auf das Zeichen der Souffleuse einzusetzen, aber umgekehrt, als die Gäste versuchen, den pünktlichen Einsatz zu geben, klappt es nicht ganz. „Für den Anfang schon ganz gut“ versichert die Frau in Jeans und farbenfroher Weste, „das dauert eben, bis der Einsatz sitzt.“
Zu ihrem Beruf ist sie eher zufällig über ein Praktikum gestoßen, „eigentlich sollte ich Musiklehrerin werden“. Sie studierte nämlich Klavier, Musikwissenschaft und auch Dirigieren. Durch einen Ferienjob am Theater kam sie auf den Geschmack und war von da an überzeugt, nie wieder etwas anderes machen zu wollen. Nach einem Praktikum an der Wiener Staatsoper wurde sie in Würzburg fest angestellt. Neben den professionellen Fähigkeiten eines Dirigenten wird die Beherrschung mehrerer Sprachen verlangt. Neben Englisch, Französisch und Italienisch versteht Cornelia Boese auch Russisch und Norwegisch, sogar auf Schwedisch hat sie schon einmal souffliert. Bescheiden wiegelt sie ab: „Eigentlich kann ich nur Schwedisch flüssig sprechen, wegen meiner Großeltern. Englisch konnte ich schon in der Schule nicht leiden.“ Manchmal arbeitet sie bis nach Mitternacht. Außerdem ist die Souffleuse verpflichtet, sich nicht weiter als 30 Kilometer vom Theater zu entfernen, selbst an freien Tagen. Denn bei Spielplanänderungen muß sie notfalls einspringen: „Wenn meine Oma 40 Kilometer weg wohnen würde und Geburtstag hätte, müßte ich erst mal einen Urlaubsschein ausfüllen und von mehreren Instanzen, bis hinauf zum Intendanten, genehmigen lassen. Selbst dann könnte ich jederzeit zurückgerufen werden.“ Trotz alledem könne sie gelegentlich in anderen Städten soufflieren: „Ich durfte mal in Innsbruck einspringen,da wurde dann alles bezahlt, Hotel, Anfahrt und eine ordentliche Gage.“
Cornelia Boese muß immer vor dem Vertragsende den Lohn mit dem Intendanten neu aushandeln; es gibt für ihre Tätigkeit keine Tarife. Die Stundenzahl wird nicht festgelegt. Für die Leistung, die sie erbringt, klingen 1400 Euro brutto wie ein Witz. Dennoch ist die Hobby-Paddlerin, die ein Häuschen am Main bewohnt, zufrieden. Allerdings birgt ihr Beruf auch ungeahnte Gefahren. „Einmal hatte sich der Dirigent beim Schlußapplaus verschätzt und ist mir direkt in den Souffleurkasten geplumpst. Gott sei Dank hatte ich ihn eben verlassen; mein Schutzengel hatte mich rechtzeitig rausgeholt.“ - Was war ihr schlimmster Hänger? „Das war bei „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“. Ich mußte im Schauspiel einspringen, kannte das Stück aber nicht genau. Da übersprang der Darsteller des George gleich 100 Seiten. Das kam so: Die Eheleute beschimpfen sich ständig, der Text ähnelt sich, unser George kam in die falsche Schiene. Ich merkte es, blätterte verzweifelt im Textbuch. Derweil hatten sich die beiden auf der Bühne irgendwie geeinigt. So wurde das Stück sehr unlogisch, war aber eine Dreiviertelstunde eher zu Ende.“
Für Boese ist der Beruf Berufung. Eine Arbeit über den Beruf der Opernsouffleuse, über „Die gute Fee im Kasten“, hat sie schon verfaßt, „meine Examensarbeit“. Außerdem hat sie über ihre Erlebnisse einen heiteren Gedichtband geschrieben. Gerade ist ein weiterer über ihren Lieblingskomponisten Mozart entstanden. „Hoffentlich wird es ein Bestseller, dann werde ich doch noch finanziell abgesichert“ meint sie grinsend. Leider ist die finanzielle Situation des Theaters angespannt. Das stimmt sie traurig. „Ich würde zwar leicht eine Stelle woanders bekommen, denn Opernsouffleusen sind sehr gesucht; aber ich möchte den Freundeskreis, den ich trotz meiner Arbeitszeiten habe, nicht verlieren.“

(Annabella Fick)

nach oben

 

Die Kitzinger, 17.6.02

Hilfreiche Stimme aus der Unterwelt

Sie sprüht vor Lebensfreude und liebt die knalligen Farben: das Treppengeländer ihres Hauses – das sie selbst auf den Namen Villa Kunterbunt getauft hat – hat sie eigenhändig mit sieben verschiedenen Tönen gestrichen, die Wände zieren Bilder von Friedensreich Hundertwasser und Rosina Wachtmeister. „In meiner Freizeit fahr' ich am liebsten mit meinem roten Kanu auf dem Main“ strahlt Cornelia Boese. Doch die Zeit der Muße für die 32-jährige ist knapp bemessen. Kein fester Dienstplan, Freizeit nur zwischen 14 und 18 Uhr und Würzburg darf sie nur mit Urlaubsschein verlassen – der Job einer Opernsouffleuse am Würzburger Mainfranken Theater ist hart.
Ein Souffleusenkasten, der nicht viel größer ist als ein Beichtstuhl, ist der Arbeitsplatz von Cornelia Boese. Darin wird ein hölzerner Stuhl hinabgelassen, auf dem sie zwei mal täglich vier Stunden ohne große Bewegungsmöglichkeiten sitzt. Ein Monitor mit dem Text vor ihr und eine Lampe über ihr sind die einzigen Einrichtungsgegenstände. „Wenn ich zu sehr mitdirigiere, verbrenn' ich mir die Finger an der Lampe“ sagt sie. Cornelia Boese ist eine unentbehrliche Hilfe für die Künstler auf der Bühne. „Ich bin dem, was auf der Bühne gesungen wird, immer einen Takt voraus, um im richtigen Moment helfen zu können.“
„Auch wenn die Arbeitszeiten manchmal richtig hart sind und mein Arbeitsplatz alles andere als luxuriös ist: Souffleuse ist mein absoluter Traumberuf“ freut sich die Würzburgerin mit den schulterlangen, glatten Haaren. Ein Traumberuf, zu dem sie nur durch Zufall gekommen ist. Während ihres Musikstudiums hat sie nebenbei als Babysitterin bei einer schwedischen Opernsängerin gejobbt. „Als ich die siebzehnte Gräfin Mariza gehört habe, ist die Souffleuse ausgefallen“ erinnert sich Cornelia Boese. „Aus Verzweiflung haben sie mich gefragt, ob ich einspringe.“ Ohne groß nachzudenken habe sie „ja“ gesagt und irgendwie, ohne genau zu wissen wie es geschah, ist sie dort hängengeblieben.
„Plötzlich war ich Souffleuse“ schmunzelt die 32-jährige. „Zwar habe ich Musik zuende studiert, eine richtige Ausbildung zur Opernsouffleuse gibt es jedoch nicht.“ Um an mehr Informationen zu kommen, schrieb die junge Würzburgerin über hundert Briefe an die großen Opernhäuser dieser Welt – und zu ihrer Überraschung antworteten fast alle. Danach ging es auf große Reise: „Von der Oper in Stockholm bis zur Wiener Staatsoper habe ich alle Opernhäuser besucht“ sagt Cornelia „Conni“ Boese. Von den Erfahrungen an den Opern und von ihren eigenen Erlebnissen als Souffleuse handelt auch ihr erstes Buch „Die gute Fee im Kasten“, das auch gleichzeitig ihre Zulassungsarbeit ist. „Mit diesem Buch wollte ich auch den Beruf der Souffleuse der Öffentlichkeit näher bringen.“
Opern und Musik sind die eine Leidenschaft von Conni Boese, Skandinavien ist die andere. „Ich bin ein richtiger Skandinavien-Fan“ verrät sie. Und was ein richtiger Skandinavien-Fan ist, der sammelt auch Elche. Stolze 27 Stofftiere zählen mittlerweile zu der Sammlung der 32-jährigen.
Diese Begeisterung zu Skandinavien war es auch, die sie eines Tages zu einer ganz besonderen Reise animierte. „Mein Ziel war es, das Nordkap zu erreichen“ erklärt sie lachend. „Also schnappte ich mir eine Geige und zog los.“ Das nötige Geld für die Zugtickets und für das tägliche Essen verdiente sie sich als Geigerin. Im Speisewagen im Zug, beim Friseur, in Restaurants oder auf dem Postschiff, das sie schließlich zum Polarkreis brachte – überall unterhielt sie die Menschen mit Musik. Verständigungsschwierigkeiten gab es dabei keine. „Meine Wahl-Großeltern kommen aus Schweden“ beschreibt sie den Grund für die Vorliebe zu der Region im Norden Europas und für ihre Sprachkenntnisse.
Schwierigkeiten bereitete Conni Boese auch nicht die Tatsache, daß sie nie gelernt hat, Geige zu spielen. „Da ich nur Cello spielen konnte, machte ich aus der Not eine Tugend, klemmte mir die Geige zwischen die Beine und spielte wie auf einem Cello“ erinnert sie sich.
Mit der Reise zum Polarkreis hat sich die Würzburgerin einen großen Traum erfüllt, ein anderer Traum jedoch steht noch in den Sternen. „Ich möchte einmal zu Alfred Biolek in die Talkshow“ schwärmt sie. „Am besten mit Anne Will, der Moderatorin der Tagesthemen.“ Einen Untertitel für die Talkshow hat sie sich auch schon überlegt: Deutschlands sichtbarste und Deutschlands unsichtbarste Frau. „Dabei sind wir gar nicht so verschieden. Beide sitzen wir abends in der Kiste“ scherzt die 32-jährige.
Bereut hat sie es nie, als Souffleuse zu arbeiten. „Die Künstler auf der Bühne bekommen zwar den ganzen Abend Applaus, aber manchmal reicht mir einer nach der Premiere eine Rose in meinen Kasten, dann fühl' ich mich im Rampenlicht“ beschreibt Conni Boese die kleinen Freuden im Leben einer Souffleuse. Und dafür, daß im Mainfranken Theater auch zukünftig die Opernsänger ihren Text nicht vergessen, will sie noch lange sorgen. „Ich kann mir durchaus vorstellen, den Beruf noch mit 90 zu machen.“

(Markus Bußler)

nach oben

 

Main-Post, 22.4.02)

Erlöse von der Souffleuse Boese

Was die Opernsouffleuse Cornelia Boese auf einer Probe zu Mozarts „Zauberflöte“ mitmachte:
„Ich habe einmal sehr gelitten, weil auf der Probe alle stritten. Der Regisseur war wutentbrannt, er kam gerad vom Intendant, beleidigte den Assistenten, der schimpfte auf den Inspizienten, der Dirigent litt an Migräne und hörte nichts als falsche Töne...“ Das Drama geht weiter, endet mit dem Tod einer Glühbirne und einem Schreiverbot für die Boese.
Die tapfere Libretto-Flüsterin hat diese Begebenheit aufgeschrieben, andere Theater-Ereignisse auch und ein Büchlein mit 1000 Verszeilen daraus gemacht: „Ich bin der unsichtbare Herrscher einer magischen Welt“. Der Würzburger Buchverlag Peter Hellmund hat's verlegt. Stolze 1000 Exemplare, enorm viel für einen Gedichtband, wurden bereits verkauft.
Den Titel für die Geschichten aus dem Souffleusenkasten hat Boese aus dem Libretto der Richard-Strauss-Oper „Capriccio“ geklaut. Ansonsten gibt sie lieber reichlich, sehr zur Freude von Bruno Forster, dem Vorsitzenden des Fördervereins des Theaters. Pro verkauftem Buch spendet Boese jetzt einen Euro an den Förderverein. Forster nahm vergnügt zehn Hundert-Euro-Scheine entgegen und freute sich über die Unterstützung. 250 000 Euro will der Verein in diesem Jahr fürs Theater auftreiben.
Boeses Chef Klaus Heuberger, der kaufmännische Leiter des Theaters, platzt bald vor Stolz und Lob auf seine Mitarbeiterin. Eine ganz außergewöhnliche Spende sei das, sagt es, denn – wie viele am Theater – verdiene Boese nicht viel Geld. Dass sie dann auch noch was spendet, lässt den kühlen Rechner ein wenig hilflos nach Worten suchen. „Über die Maßen“ engagiere sich die Souffleuse, die „wie einige andere im Theater auch immer da sind, wenn man sie braucht.“ Und wenn's nur ein Euro wäre, wäre er immer noch stolz, dass sie ihn abgibt.
Boese selbst macht kein Brimborium um die Spende, die Lobpreisungen nahm sie gelassen. Ob's ein neues Buch geben wird? „Ja, vielleicht, bestimmt.“ Es passiert ja immer was Neues im Theater.
„Ich bin der unsichtbare Herrscher einer magischen Welt“ ist für 7 Euro in allen gut sortierten Buchhandlungen und am Abend im Mainfranken Theater Würzburg zu erwerben.

(Wolf)

nach oben

 

Volksblatt Würzburg, 20.04.2002

Souffleuse spendet für ihr Theater

Cornelia Boese gibt 1000 Euro aus dem Verkaufserlös ihres Gedichtbandes ab

W ü r z b u r g   (MR)   Vor einem Jahr wurde in einem Café die Idee geboren, dass Cornelia Boese, Opernsouffleuse am Mainfranken Theater, ihre Gedichte rund um das Theater als Buch herausgeben könnte. Der Grafiker Peter Hellmund hat die 31-Jährige ermuntert, ihre Gedichte zu sammeln.
Inzwischen wurde die Idee in die Tat umgesetzt und seit mehreren Monaten erfreut der schmale Gedichtband "Ich bin der unsichtbare Herrscher einer magischen Welt", erschienen im Buchverlag Peter Hellmund, das Theater-interessierte Publikum. Buchbesprechungen in Zeitungen, Fachzeitschriften und Publikumsmagazinen, Rundfunkbeiträge und Fernsehsendungen haben das Buch bundesweit bekannt gemacht. Mehr als 1000 Leserinnen und Lesern gewährte es bisher in amüsanter Manier tiefe Einblicke in die Unterwelt des Theaters.
Schon vor Beginn des Verkaufs hatte Cornelia Boese beschlossen, dass ein Euro jedes verkauften Exemplars dem Verein zur Förderung des Mainfranken Theaters Würzburg e.V. zufließen soll. Nachdem inzwischen 1000 Bücher verkauft wurden, überreichte Cornelia Boese jetzt dem Vorsitzenden des Theaterfördervereins, Bruno Forster, 1000 Euro in bar. Das Geld wird dem Theater mit den anderen eingegangenen Spenden zu Beginn der nächsten Spielzeit überreicht.
Klaus Heuberger, der kaufmännische Leiter des Theaters, bedankte sich bei Cornelia Boese für ihr berufliches Engagement, mit dem sie sich für das Würzburger Theater einsetzt. Er unterstrich die Besonderheit, dass über den beruflichen Einsatz hinaus nun auch noch eine materielle Spende an das Theater gegeben wird.

nach oben

 

Rheinischer Merkur, 22.04.2001

Der kleinste Arbeitsplatz der Welt

Zu Besuch bei Cornelia Boese, Souffleuse

Eine wie sie braucht Nerven wie Drahtseile. Die gute Fee, die den Sängerinnen und Sängern weiterhilft, wenn sie den Einsatz nicht mehr wissen, wird übersehen. Unablässig. Abend für Abend. Von Theaterbesuchern, die ihre Arbeit in der Unterwelt gar nicht zu würdigen wissen. Stört sie das? Cornelia Boese lächelt. "Ich bekomme Applaus - von den Sängern. Wenn sie nach der Vorstellung zu mir kommen und sagen: 'Danke, du hast mich gerettet', dann ist das genauso viel wert."
Die Probe zu Bizets "Carmen" läuft bereits. Die 30-jährige Souffleuse hat es sich längst an ihrem Arbeitsplatz bequem gemacht. Ihre Beine mit den gestreiften Strümpfen baumeln im Orchestergraben. Aufgeregtheit kennt sie zwar, darf sie aber nicht zeigen. Deshalb ist es schwer zu erahnen, was in ihr vorgeht. Jeden Blick der Akteure versucht sie aufzufangen. Mit überartikulierten, aber fast lautlosen Würfen ihres Mundes hält Cornelia Boese sie auf dem Laufenden - ganz so, als grübe sie Silben, Wörter, Sätze und Gesangsphrasen aus dem Erdreich.
Ein faszinierender Anblick, etwas komisch zugleich, doch keinesfalls so, wie es bekannte Souffleusen-Bildwitze zeigen. Cornelia Boeses Kasten unter dem Bühnenboden, den sie den "kleinsten Arbeitsplatz der Welt" nennt, ist so winzig, dass sie sich nicht umdrehen, geschweige denn groß bewegen kann. Hocker, Notenpult, Monitor, Lampe, alles klein - mehr passt in den "Maulwurfshügel" nicht hinein. Er ist maßgeschneidert: "Ich dürfte keine zehn Kilo mehr wiegen." Bei der schmächtigen Frau besteht diese Gefahr nicht.
Kann man in einem so anonymen Beruf zufrieden sein? "Für mich gibt es nichts Schöneres", grinst Cornelia Boese. Noch während ihres Studiums an der Würzburger Musikhochschule hat sie damit begonnen. Seitdem weiß sie, dass sie nichts anderes machen will. Seit sechs Jahren ist sie am Musiktheater fest angestellt. Da seien genaue Kenntnis von Libretti und Partituren und gutes rhythmisches Gespür ganz entscheidend, erklärt die junge Frau.
Als Souffleuse spielt sie keine Feuerwehr. Sie lässt den Brand gar nicht erst entstehen. Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen braucht es für den Umgang mit den Künstlern. Das hat sie. Sie wirkt ausgeglichen, strahlt Gelassenheit aus. "Sänger machen sich gern über die Souffleuse lustig, suchen sie gern als Sündenbock aus. Zum Glück machen sie das bei mir nicht."
Die "Carmen"-Probe mit der Gastregisseurin Angela Brandt, die im vergangenen Jahr die viel gepriesene Oper "Der junge Lord" inszenierte, dauert jetzt schon fast drei Stunden. Da das Werk auf Deutsch aufgeführt wird und es drei verschiedene Übersetzungen gibt, stehen unterschiedliche Fassungen in Cornelia Boeses Klavierauszug. "Das kann manchmal schon stressig sein", gesteht sie. Zwischen Probe und Abendvorstellung fallen ein paar wichtige Handgriffe an. Nicht nur für die Bühnenarbeiter, die die Kulissen befestigen. Die Souffleuse holt einen Staubsauger und reinigt den Bühnenboden rings um ihre Muschel. sonst landet jeder Staub, den der Vorhang und die schleifenden Damenröcke aufwirbeln, bei ihr. Farbpartikel und Stofffetzen haben sich angesammelt. Weg damit!
"Heute wird wenigstens kein künstlicher Nebel eingesetzt", freut sich Cornelia Boese, die schon sehr, sehr hautnah in der ersten Reihe sitzt. Dass die Arbeit im Souffleurkasten sogar gefährlich sein kann, hat sie auch erlebt. Damals, als der neue Generalmusikdirektor Daniel Klajner sich nach einem Konzert verbeugen wollte, den Souffleurkasten übersah und tatsächlich hineinfiel. Cornelia Boese hatte Glück. Weil sie einen wichtigen Termin nicht versäumen wollte, hatte sie "ihren" Kasten zum ersten Mal in zehn Jahren bereits vor dem Applaus verlassen. "Wenn ich noch dringesessen hätte, hätte er mir bestimmt das Nasenbein zertrümmert." Auch heute ist ein Messer in den Kasten gefallen. Doch da sitzt Cornelia Boese schon längst nicht mehr in der Unterwelt. Wieder mal Glück gehabt.

(Gideon Zoryiku)

nach oben

 

Volksblatt, 20.11.1995

Unsichtbare hört man nicht schreien

Klein macht sich jemand wie sie am Theater; mit dem Ehrgeiz, groß herauszukommen, entspräche sie dem von ihr da zu Leistendem nicht. Sie tritt nicht hervor, tritt nicht auf. Unerläßlich aber ist, daß sie von Anfang an bis zum Ende einer Vorstellung anwesend ist. Sie hält sich dann abseits, sitzt auf der Seitenbühne, oder in der Versenkung unter der Bühne, vielleicht auch einmal im Orchestergraben. Immer aber hat sie in Reichweite zu sein, ihre Stimme muß die Sänger und Sängerinnen erreichen und sie muß verständlich sein. Unbeteiligt daran sollte freilich das Publikum bleiben, es sollte sie möglichst nicht sehen und noch weniger hören. Cornelia Boese ist Souffleuse und sie hat da eine spezielle Funktion: Als Souffleuse für das Musiktheater ist sie seit Beginn der Spielzeit am Würzburger Stadttheater engagiert.
Angetan hat es das Theater der gebürtigen Würzburgerin, die hier bei den Ursulinen zur Schule ging, schon früh. Und eines Tages kam dazu noch das Verlangen, da ein wenig dahinterzuschauen. An der Würzburger Hochschule für Musik studierte sie Klavier, Cello und Gesang, seit 1991 aber war sie nebenher Aushilfssouffleuse am Stadttheater. Das führte sie zu näheren Ansichten, auch zu der, daß sich damit vielleicht der Weg zu ihrem späteren Beruf angebahnt habe.
An der Musikhochschule verknüpfte sie dies sogleich mit ihrem Abschlußexamen. Sie schrieb ihre Zulassungsarbeit über das Thema „Die Souffleuse im Musiktheater. Eine phänomenologische Untersuchung eines wenig beachteten Musikberufes“. Es war ein ungewöhnliches Thema, zweifellos eine Novität. Überraschend kam sie für ihre Lehrer, doch ihre Arbeit war so überzeugend, daß sie sich damit qualifizierte. Sie erhielt dafür eine Eins.
Cornelia Boese beschreibt die Geschichte und die Funktion des Souffleurs, die Arbeit und die Arbeitsweise, das Prestige, die negativen wie die positiven Aspekte. Während es im Schauspiel genüge, den Text mitzulesen und nur im Ernstfall, wenn ein Darsteller hängt, helfend einzugreifen, werde im Musiktheater grundsätzlich voraussouffliert, heißt es da. Der Grund für diese Vorsorge liege darin, daß die Musik weiterlaufe. „Ein verpaßter Einsatz kann nicht wie ein vergessener Satz nachgeholt werden.“ Auch reiche bei einer Oper das Flüstern nicht immer aus: Um nicht vom Orchester übertönt zu werden, muß durchaus laut gesprochen werden, im Notfall sogar geschrien, während im Schauspiel eine wesentlich gedämpftere Stimme eingesetzt werden kann. Das Ziel ist in jedem Fall, auf der Bühne verständlich zu sein, ohne daß der Zuschauer etwas davon hört.
Die Souffleuse im Musiktheater müsse vielseitige Fähigkeiten haben, schreibt Boese. Sie brauche vor allem eine fundierte musikalische Ausbildung, denn mit Notenlesen allein sei es in der Oper nicht getan. Die perfekte Beherrschung der deutschen Sprache sei für die Souffleuse zwingend, äußerst wichtig seien aber auch Fremdsprachenkenntnisse. Ideal schließlich wäre es, wenn eine Souffleuse außer Dirigieren und Gesang auch noch Psychologie studiert habe.
Cornelia Boese selbst kann auch noch andere Vorzüge aufweisen: eine ungewöhnliche Begeisterungsfähigkeit, eine ungehemmte Freude an ihrem Beruf. Sich-Umschauen- und Sich-Einfühlen-Können, Frische, Fröhlichkeit, Wachheit – Eigenschaften wie diese springen einem bei ihr gleichsam ins Auge. Nach wenigen Worten, die man mit ihr wechselt, ist dies bereits zu bemerken. „Das ist ein toller Beruf“, ein solcher Satz ist bei ihr nicht nur dahingesprochen. Und sie ist weiterhin lernwillig, ja lernbegierig, so lernt sie beispielsweise jetzt Russisch. Schwedisch kann sie bereits.
Und daß es beim Soufflieren manchmal kurios zugeht, nimmt sie wahr, nimmt sie auch hin, findet sie mitunter sogar, denn sie hat Humor, lustig. Etwa wenn sie sich einmal, dementsprechend kostümiert, unter die Chorsänger mischen muß. Oder sich, wie bei einer Schauspielvorstellung – gelegentlich souffliert sie auch da – in einem riesigen Hut zu verstecken hat und dann aufpassen muß, ob die dazugehörige Schauspielerin ihr möglicherweise von Fall zu Fall ein paar Fußtritte versetzt. Denn das wäre dann das verabredete Zeichen dafür, daß Not am Mann ist oder hier Not an der Frau. Und daß es jetzt auf ihre Hilfe, ihre Nachhilfe ankommt.

(Otto Schmitt-Rosenberger)

nach oben

 

Main- Post, September 1995)

Neue Gesichter am Stadttheater

...Als Souffleuse für das Musiktheater wurde jetzt Cornelia Boese engagiert, eine gebürtige Würzburgerin, die sich mit diesem Beruf auch wissenschaftlich beschäftigt hat, schloß sie doch ihr Studium an der Würzburger Musikhochschule mit einer Examensarbeit über die „Die Souffleuse im Musiktheater. Eine phänomenologische Untersuchung eines wenig beachteten Musikberufes“ ab. Als Vorarbeit zu dieser Studie hatte sie bei Souffleusen und Souffleuren an verschiedenen Theatern hospitiert. 1991, noch während ihres Studiums, war sie als Aushilfssouffleuse für Oper und Schauspiel am Würzburger Stadttheater beschäftigt. Im Sommer des gleichen Jahres soufflierte sie auch auf schwedisch bei der Aufführung von Saint-Saens „Samson und Dalila“ an der Stockholmer Folkoperan.
 
nach oben     zurück zu Souffleuse Boese