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Gedicht für Herrn Röttgers
Verabschiedung
Verehrter, lieber Intendant!
Wohl niemand hat den Ruhestand
so schwer und wohlverdient wie Sie:
Ihre Theatersympathie
war größer als das Rentnerglück;
drei mal schon kehrten Sie zurück
und wurden künstlerisch aktiv,
wenn Sie ein Haus um Hilfe rief,
Sie scheuten weder Müh noch Streß.
Das letzte große SOS
erreichte Sie vor knapp 3 Jahren,
als wir in argen Nöten waren.
Es ging um unsre Existenz;
Sie sah´n sofort: "In Würzburg brennt´s!"
Da konnten sie nicht länger ruh´n
und mußten was dagegen tun...
Sie gaben uns spontan Geleit
durch eine krisenreiche Zeit,
bewahrten das Dreisparten-Haus
(fürs erste) vor dem droh´nden Aus
und feierten im Geldnotsumpf
auf dieser Bühne manch Triumph.
Als erster, kleiner Blumenstrauß
für Sie ein riesen Chef-Applaus!
Zum Abschied haben wir für Sie
ein schaukelförmiges MERCI
mit stark entspannender Funktion:
Das sei fortan Ihr neuer Thron!
(Er ist, versichere ich Ihnen,
statt ein Relikt aus den Ruinen
des Möbelfundus und kaputt,
ein Neuerwerb aus Hollywood...!)
So folgt für Sie nun ganz gemach,
gemütlich, glücklich schaukelnd nach
der Würzburger Finanzmisere
die Hofer Hollywood-Karriere!
Damit Sie Sich in vollen Zügen
lebensgenießend auch vergnügen
und nicht gleich in zehn neuen Städten
gefährdete Theater retten,
erwartet Sie hier drin des Weitern
von allen Ihren Mitarbeitern
und vom Theaterförderverein
ein Wellnesswelt-Geschenkgutschein.
Den können Sie universal
in ´nem Hotel nach Ihrer Wahl
so recht nach Herzenslust verprassen
und sich mal echt verwöhnen lassen...
Wie wäre es denn beispielsweise
mit einer Nordsee-Schnupper-Reise
und als Kulturkontrastprogramm
ein Wohlfühlbad mit Fangoschlamm?
Statt Streit mit Künstlern um die Gage
eine Aromaöl-Massage,
statt trockener Vertragslektüre
´ne Mani- oder Pediküre,
und statt betörendem Gesang
Meditation mit Yin und Yang...?
Gegen Theaterkummerpickel
Heilfasten oder Algenwickel,
bei Schweißausbruch bezüglich Geld
Relaxen in der Saunawelt
und zum Vergessen mancher Panne
die Apfelessig-Sprudelwanne...
Traumatische Finanzfiasken
kurieren Sie mit Gurkenmasken,
verdauen Werksausschuß-Termine
in Ihrer Infrarot-Kabine
und´s Krisen-Kalendarium
am besten im Solarium...
Um Ihnen heute abend schon
die wunderbare Illusion
vom freien Leben mit nur Schaukeln
und Schönheitskuren vorzugaukeln,
hab´n wir die Chance beim Schopf gefaßt
und einen Überraschungsgast
für einen Kurzauftritt verpflichtet,
(der auch aufs Honorar verzichtet....!)
Die Dame, welche Strössner heißt,
kommt extra für Sie angereist
aus Leupoldsgrün vom "Schwarzen Roß"
(dem Stammlokal von unserm Boss),
und sie bringt Ihnen jetzt und hier
IHR ERSTES FEIERABENDBIER!!
(Cornelia Boese, 23.7.2004)
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