Mit Kniegeige bis Lappland,   Volksblatt, 26.4.2002
Mitternachtssonne und Mückenplagen,   Main-Post, 27.4.2002
Eine skandinavische Reise,   Das Orchester, Oktober 2002


Volksblatt, Titelseite, 26.4.2002

Mit Kniegeige bis Lappland

Cornelia Boese stellt neues Buch vor

Cornelia Boese studierte in Würzburg Musik und ist seit 1990 am Mainfranken Theater als Opernsouffleuse engagiert. Die Spielzeitpausen verbringt sie kniegeigespielend in schwedischen Zügen, auf norwegischen Postschiffen oder in ihrem roten Kanu auf dem Main – wie bitte?
Mit ihrem Stofftier „Malgomaj“ - einem Elch, natürlich – saß sie nun da, eingeladen vom städtischen Kulturreferat, das die junge Frau als Phoenix aus der Asche hob. Ein neues Talent aus Würzburg.
Boese besticht durch ihre zurückhaltende Komik. Sie macht aus Nichts Etwas. Als arme Studentin fuhr sie mit dem Zug gen Norden, ihre Geige zunächst neben sich auf der Liege im Nacht-Waggon. Schließlich war das Cello ja zu schwer, um es mitzunehmen. Und so kam es, daß sie – weil sie eigentlich gar nicht Geige spielen kann – die Geige zwischen die Knie nahm und darauf spielte wie auf einem Cello. Damit verdiente sie sich unterwegs das Geld, um etwas zu essen zu kaufen und im Land der Elche weiterzufahren, als Speisewagen-Geigerin kam sie bis zum Polarkreis.
Das Fernsehen wurde auf die ungewöhnliche Musikerin aufmerksam und drehte einen Film über die Stationen „von Berlin bis Lappland“, dann erst kam das Buch, das laut Boese geeignet ist für Leser zwischen neun und neunundneunzig Jahren – für alle, die erfahren wollen, wie es ist „im Sommer mal nach Schweden zu fahren und kein Geld mitzunehmen“.
Ihre erste Lesung will Cornelia Boese am 13. Mai, 20 Uhr im Café Cairo halten – mit Geige, natürlich.

                                         

Main-Post Würzburg, 27.4.2002
 
Mitternachtssonne und Mückenplagen

Neues von der Souffleuse Cornelia Boese: "Polska für den Elch" heißt das Buch, verlegt von Gryphon Edition in Hallbergmoos.
Cornelia Boese, Opernsouffleuse am Mainfrankentheater Würzburg, erfolgreiche Autorin des Gedichtbandes "Ich bin der unsichtbare Herrscher einer magischen Welt", erzählt von ihren ersten Sommerferien an der Musikhochschule im Jahr 1995. Die begannen so:
Zwischen der katastrophalen Generalprobe und dem Sinfoniekonzert zum Semesterabschluß spricht die Boese gemeinsam mit einer Freundin zu Füßen des Heiligen Kilian auf der Alten Mainbrücke drei Flaschen Beerenwein tüchtig zu. Die Folgen sind verheerend. Der Boese ist übel. Der Sommer ist heiß, das macht's noch schlimmer. Sie hält's nicht mehr aus. Nach dem irgendwie überstandenen Konzert türmt sie, eine Geige im Gepäck, Richtung Nordkap, wo's angenehm kühl sein soll.
Wir lesen von der Mitternachtssonne, freundlichen Schweden und Lappen, gefährlichen Bus- und Gummibootfahrten, Mückenplagen, Musik, kurz: vom schönen Leben einer armen Straßenmusikantin, die ohne Geld und Dach überm Kopf, aber mit Geige und guter Laune einen netten Urlaub in Nordeuropa macht.
Dokumentarfilm
Das ZDF hat aus ihren Erlebnissen einen Dokumentarfilm gemacht ("Klingende Münze"), der zuletzt am Ostersamstag auf Phoenix zu sehen war. Wer's nicht gesehen hat und deswegen noch ein bisschen mit dem Kauf des Buches warten möchte, kann sich am 13. Mai bei einer Lesung Boeses im Café Cairo ein Bild machen.
Dann aber raus mit den elf Euro und das Buch gekauft!

(Wolf)





Das Orchester, Oktober 2002

Eine skandinavische Reise

Cornelia Boese ist seit 1990 Musiktheater-Souffleuse am Mainfrankentheater Würzburg. Als sie noch Studentin war, verdiente sie in der Spielzeitpause kein Geld und beschloss 1995, Straßenmusik in Schweden zu machen, mit der Inlandsbahn bis zum Polarkreis. Daraus entstand die Reiseerzählung Polska für den Elch, die jetzt als ihr drittes Buch erschien. Wer schon Cornelia Boeses Gedichte aus dem Souffleusenkasten kennt, der findet hier jenen kräftigen Schuß scheinbarer Naivität wieder, welcher die Welt durchsichtig und letztlich schwerelos macht.
Eigentlich ist sie Cellistin: "So ein Cello ist aber ein völlig ungeeigneter Reisebegleiter" (S. 11), deshalb spielt sie "Schoßgeige": "Am Kinn hätte ich keinen geraden Ton herausgebracht; zwischen den Knien aber hatte ich inzwischen eine ganz passable Privatspielweise ausgeklügelt, die zwar höchst merkwürdig aussah, aber gerade deswegen ungeheuer lukrativ war. Die Leute blieben sofort stehen und starrten." (S. 12) "Immer wieder geschah es, daß die Leute mich ansprachen, und manchmal wurde ich übermütig und ließ sie sich ein Lied wünschen. Ich vertraute einfach darauf, daß ich mit dem schwedischen Liedgut vertraut war, und meist ging das Risiko gut. Bloß wenn ich in der Eile einen ungünstigen Anfangston erwischte und eine Polska in Fis-Dur durchziehen mußte, kam ich ganz schön ins Schwitzen." (S. 20)
Und der Elch? War ihr Reisekamerad, der die unternehmungslustige Spielfrau in Jussi Björlings Heimatstädtchen Borlänge sehnsüchtig aus einem Schaufenster anblinzelte: " 'Hab ein bißchen Geduld und warte auf mich' flüsterte ich ihm zu. 'Ich gehe schnell ein bißchen Geld geigen und dann komme ich wieder und hole dich!' " (S. 31) Die kleine Elchdame Malgomaj (benannt nach einem See in Lappland) ist natürlich aus Stoff, aber manchmal meutert sie oder will ans Meer.
Dies ist ein kleiner Schelmenroman, er beginnt ganz gattungsgerecht mit der Beschreibung eines Besäufnisses. Und noch einen literarischen Topos bedient Boese: Die Reise wird zur Folie für das womöglich Bessere gegenüber dem Zuhause, mit Seitenhieben auf "Übezwang und Probenfrust" (S. 6) an deutschen Musikhochschulen. Dies ist eine herrlich komische Hymne an das (schwedische) Leben, dabei jederzeit federleicht wie ein (schwedischer) Sommertag. Traumhaft.

(Ingo Hoddick)

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