Lieber Oskar, verehrte Gäste,

mit nicht ganz blütenreiner Weste
betrete ich die Rednerbühne
und leiste für 'nen Patzer Sühne,
an den Du wohl noch denkst mit Schauer:
Zweitausendsechs beim Zellerauer
Kulturspektakel ist's gewesen,
ich sollte Boese Verse lesen,
jedoch hast Du umsonst gewartet -
ich war nicht wie geplant gestartet
und so des Abends Missetäter,
denn ich erschien 'ne Woche später...

Auch wenn wir heut darüber lachen
hab ich bei Dir was gut zu machen:
Ich tu's mit munterer Methode
und lese die Medaillen-Ode!

Man sagt von Oskar Vogel, daß er
bewundert wird als Tausendsassa.
Drei Leben prägen diesen Mann,
auf die er alle stolz sein kann:

Für Oskars Oma war es klar,
daß er, der stets am Schnattern war
und Lieder sang, mal Pfarrer wird,
da hat sie sich jedoch geirrt,
denn in dem Priesterseminar,
wo er Elev in Salzburg war,
entpuppt er sich als Kunst-Verehrer,
kehrt heim nach Franken und wird Lehrer.

Die Künstler nämlich am Theater,
mißbilligt diesen Wunsch sein Vater
und der ist schließlich der Entscheider,
sei'n von Beruf her Hungerleider.
Der Satz entbehrt nicht ganz der Logik,
der Sohn studierte Pädagogik,
um über vierzig Jahre lang
voll Energie und Tatendrang,
mit großer Fülle an Geschichten
und Sachverstand zu unterrichten.

Zunächst begann er in Werneck,
doch schließlich zog's ihn wieder weg,
weil man ihn in die Stadt versetzte
und auch in Würzburgs Schulen schätzte,
welch große Dinge er vollbrachte,
worauf man ihn zum Rektor machte:
Nun saß er auf dem höchsten Stuhle
als Chef der Zellerauer Schule.

Bei Vogel erntete Kritik
die „Lehranstalt als Lernfabrik"-
als A und O im Schulbetriebe
empfand er stets die Nächstenliebe:
Mit off'nem Ohr für Schülerthemen
half er der Jugend bei Problemen
der Selbst- und Zukunftsorientierung,
drum war wohl seine Pensionierung
für viele schwer nur zu verschmerzen...
„Ein Denkmal in den Schülerherzen"
betitelte die Main-Post ihn,
höchst ungern ließ man Vogel zieh'n.

Er blieb und bleibt doch (toi-toi-toi!)
den Zellerauer Bürgern treu,
denn Vogel förderte nicht nur
die Bildung, nein, auch die Kultur:
hat dort ein Stadtteilfest gegründet,
ein Feuerwerk der Kunst entzündet,
das feiert schon sein zehntes Jahr,
denn wie sich offenbarte, war
das kulturelle Potential
der Zellerau phänomenal!

Mit Lust und Leidenschaft gewann
der mächtig motivierte Mann
Theater, Schulen und Verbände,
so manche finanzielle Spende
sowie das hilfreiche Interesse
von Wirtschaft, Politik und Presse
für eine bunte Bühnenschau:
er zauberte die Zellerau
in unermüdlicher Regie
mit Malerei und Poesie,
mit Tanz, Theater und Gesang
stets vier Oktobertage lang
ins Zentrum allen Rampenlichts
und schuf so praktisch aus dem Nichts
ein kreativ und kulturell
bewundernswertes Festival.

Beansprucht von solch vielen Pflichten
hat Rektor Vogel doch mitnichten
die Künstlerträume aufgegeben -
die Bühne ist sein zweites Leben,
der Schauspielkunst gilt all sein Lieben,
und ihr hat Oskar sich verschrieben.

Charakterstark als Hauptfigur
ist er mit stattlicher Statur,
mit Stimmgewalt und dem Profil
geschaffen für's Theaterspiel.

Als Mimen sehen wir den kühnen
Akteur auf Würzburgs freien Bühnen,
Chambinsky, Werkstatt, Neunerplatz,
beachtlich ist sein Rollenschatz:

In Kusz's Komödie „Schweig Bub" war
der Oskar stets der Abend-Star,
gab fränkisch trocken und genial
den „Onkel Willi" neunzig Mal.

In „Heute wieder Hamlet" ward
er für den Ein-Personen-Part
haushoch gelobt, er sei brilliant
und „Herr der Vorhänge" genannt.

Er war sogar dazu imstande
und spielte in Franks „Räuberbande"
sein Gegenteil – den Schülerplager
und unbarmherz'gen Lehrer Mager,
wozu die Presse rühmend schrieb:
„Und der Tyrann wird plötzlich lieb!"

In „Onkel Wanja" winkte ihm
am Stadttheater mit dem Team
vom Uni-Club ein Angebot,
er zog als der „Gevatter Tod"
im Fränk'schen Freilicht-Jedermann
das Publikum in seinen Bann,
hat selbst zwei Filme schon gemeistert
und eben noch als „Zeus" begeistert,
der in der „Feuerzangenbowle
die vom gegärten Alkohole
beschwipsten Schüler zwecks Konflikt-
beseitigung nach Hause schickt...

Was er besonders gerne hat:
„Die Physiker" von Dürrenmatt,
sein Gottesglauben ist der Grund,
weil dieses Stück vom Menschen und
der Ehrfurcht vor der Schöpfung handelt;
in einen Physiker verwandelt,
Sir Isaak Newtons anspruchsvolle,
so komische wie ernste Rolle,
hat Vogel sich die stolze Zahl
von mittlerweile sechzig Mal.

Kam es zu Pannen oder Schmissen,
wollt' ich von Oskar gerne wissen -
bei so viel' Aufführungen lief
doch sicher auch mal etwas schief?

Natürlich gab's die, lachte er,
mal war die Manteltasche leer,
anstatt bestückt mit der Pistole,
und er ging ab, daß er sie hole.

Und zur Derniere, sprich der letzten
Theatervorstellung, da setzten
ihm die Kollegen, seine lieben,
statt Cordon bleu, wie vorgeschrieben,
vertrocknete Spaghetti vor,
doch Oskar nahm es mit Humor...!

Er wünscht sich, noch in möglichst vielen
Theaterstücken mitzuspielen,
solang der liebe Gott ihn läßt.
Was tut er sonst? Übt täglich fest -
in seinem dritten Leben ist
der Oskar nämlich Pianist.

Gelernt, Musik zu lieben hat
er früh schon in der Mozartstadt
und ist beharrlich Ton für Ton
der rechten Interpretation
von Wolferls Werken auf der Spur,
studiert seit Jahren Mozart nur,
Klaviersonaten und -konzerte,
und gilt als Amadé-Experte.

Die Lobeshymne wird noch länger,
denn Vogel ist ein guter Sänger,
der einundzwanzig Jahre lang
den ersten Baß im Domchor sang.

Die Lust am Singen gab er weiter
und gründete als deren Leiter
mit Sängern im Werneck-Gebiet
die „Singgemeinschaft von Schleerieth",
wo Oskar dreißig Jahre lang
als Dirigent den Taktstock schwang.

Sein Zellerauer Schülerchor
sang in Seniorenheimen vor,
er war bei Feiern der Pfarrei
und auf dem Weihnachtsmarkt dabei -
Organisieren und Gestalten,
Vereinen und Zusammenhalten,
die Kunst auch in den Randbezirken
heraufbeschwör'n und was bewirken,
mit Worten, Tönen, Sang und Spiel
ist Oskar Vogels hohes Ziel.

Ob jemand derart Engagiertes
zur gleichen Zeit auch noch ein viertes,
privates Leben führen kann,
als Fußballfan, als Ehemann,
als Vater und als Großpapa?
Die Antwort ist ein klares Ja!

Besonders Kochen, das ist seins,
und jeden Sonntag um halb eins
strömt die Familie in das Haus
und löffelt seine Suppe aus.
Für zehn Personen Wildschwein braten
gehört zu Oskars Lieblingstaten,
und Klöße formen, fünfzig Stück,
bedeutet ihm das größte Glück.

Beruflich, künstlerisch, privat -
der Oskar ist ein Mensch der Tat,
der' s mit Begeisterung und Kraft
und ohne eig'ne Gage schafft,
Kultur in Würzburg zu vermehren,
und dafür wollen wir ihn ehren:
für sein der Kunst geweihtes Leben,
für tausend seiner Taten eben,
die wert sind, sie zu honorieren.
Laß Dir von Herzen gratulieren!

(Cornelia Boese, 2.12.2008)