Zum vielbejubelten Clou,   Main-Post, 20.9.1999
Kleine Perlen,   Main-Echo, 1.7.2002
Bissige Texte zu heiteren Melodien,   Main-Post, 1.7.2002


Main-Post, 20.9.1999

Zum vielbejubelten Clou geriet der Cocktail kabarettistischer Kostbarkeiten von und ohne Georg Kreisler, die Patrick Simper und Cornelia Boese am Klavier umwerfend und mit Pfiff servierten. Das dichtgedrängt sitzende und auf dem Boden hockende Publikum forderte Zugabe um Zugabe.



Main-Echo, 1.7.2002

Kleine Perlen der geistreichen Unterhaltung sind die Zusatzveranstaltungen, die nun, in der Zeit der existenziellen Bedrängnis, von den Beschäftigten des Mainfranken Theaters Würzburg dem Publikum geschenkt werden.
Zu nennen wäre da zum Beispiel in der Reihe „Halb elf“ in den Kammerspielen „Eine kleine Nachtmusik“ von Georg Kreisler mit Patrick Simper und Cornelia Boese. Der Opernsänger mit der tiefen Baßstimme und die Opernsouffleuse, Schriftstellerin und Übersetzerin, nun als Klavierbegleiterin mit und ohne Taucherbrille, auch mit Mini-Kniegeige tätig, hatten einen Cocktail kabarettistischer Kostbarkeiten mit viel Sprach- und Musikwitz gemixt. Ein bißchen wie bei Moritatensängern gab es bisweilen auch zur optischen Nachhilfe fürs Verständnis an einer Wäscheleine Bilder von zweifelhaftem Deutlichkeitswert.
Diese kleine Nachtmusik zur Kultur enthielt zur Freude des Zuhörer auch verdeckte Spitzen auf bekannte Würzburger Persönlichkeiten; Frau Boese kreiert ihre „aktuellen“ Texte für jeden Abend neu. Aber es gibt auch allgemein Güliges, wie Lieder auf Frühlingsgefühle oder eine Art Registerario, das eine Liste von Liebhabern ausbreitete, man lachte über Sprachakrobatisches oder freundlichen Spott, und die gekonnte musikalische Darbietung und kluge Text-Auswahl der sympathischen Ausstrahlung der beiden Akteure macht die Stunde vor Mitternacht zum vollen Erfolg.

(Renate Freyeisen)



Main-Post, 1.7.2002

Bissige Texte zu heiteren Melodien

„Sie sind ja schließlich nicht zu Ihrem Vergnügen hier!“ Der grimmig blickende Herr mit der schwarzen Brille runzelt die Stirn. Die dunkle Drohung grollt aus seinem tiefsten Inneren. Mahnend hebt er erst den Finger, dann die Stimme. Er singt. Vom Frühling. Und dem sprunghaften Anstieg der Selbstmordziffern. Vorher hat er schon seine Liebeshymne auf Barbara zu Gehör gebracht,nicht ohne auf die Diskrepanz zwischen virtueller und realer Welt hinzuweisen: Denn Barbara ist nur ein Traum. Aber billig!
„Eine kleine Gutenachtmusik von und ohne Georg Kreisler, dafür aber mit Patrick Simper und Cornelia Boese“ ist im Mozartfest-Programm angekündigt.
Locker-flockige Dreivierteltakt-Melodien hüpfen neben dem Text her. Gaukeln Heiterkeit vor und sind doch gallig, voller Biss. Kreisler eben. Die Interpretatioenn des Künstler-Duos lassen nichts zu wünschen übrig. Sie sind amüsant, authentisch und trotzdem von eigener Prägung. Patrick Simper, ehemals Bass am Mainfranken Theater, moderiert galant und giftig, singt saftig und süffisant. Und es stört gar nicht, dass er sein Handwerk ganz klassisch gelernt hat.
Um auch den nicht in den ersten Reihen Platzierten im für ein solches Programm völlig ungeeigneten schlauchförmigen Fürstensaal eine Ahnung vom optischen Geschehen zu geben, steigt Simper immer mal wieder auf einen Stuhl. Oder spaziert rechts und links die Stuhlreihen entlang. Findet stirnrunzelnd, Grimassen schneidend Kontakt zum Publikum. Kalauert in bester Kabarett-Manier von einem Song zum nächsten, satirisch, süffig und unverschämt frech.
Und die Boese? Sichtbar bis zur 5., vielleicht gerade noch 6. Reihe. Zwar kennt man von der Opernsouffleuse des Mainfranken Theaters normalerweise keine Optik, hört nur hin und wieder ein paar Töne. An diesem Abend waren es viele und vor allem genussvolle, die sie dem geschlossenen Flügel leichtfingrig entlockte. Gern hätte man mehr gesehen von dem Mädchen mit den zwei blitzenden (bei Kreisler sind es drei blaue) Augen. Und auch von den hübschen Accessoires, mit denen die Künstler das runde Programm garnierten. Doch trotz dieser äußeren Unvollkommenheit und entgegen der Anfangsdrohung stürmischer Applaus!

(Ursula Düring)

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