Main-Post, 27.10.2008

Die Boese Souffleuse berichtet aus der Unterwelt

Gerolzhofen: Die Würzburger Autorin Cornelia Boese las in der Bibliotheksnacht
über Bauwürmer, Kastengeister und Leseratten

Messerattacken auf Theaterangestellte, überbezahlte Maler, Goethes 900 Liter Weinbestellung sowie der verkannte Beruf der Souffleuse im ganz normalen Wahnsinn des Theateralltags. Viele kleine Geschichten aus dem Leben großer Künstler und aus ihrem Leben als Opernsouffleuse erzählte die freischaffende Autorin Cornelia Boese im Rahmen der bundesweiten Aktion "Deutschland liest" am Freitagabend in der Stadtbibliothek Gerolzhofen.
"Von Räubern, Feen und großen Geistern" - so hatte Boese ihr Werk betitelt, aus dem sie mit ihren Reimen im ersten Teil der Lesung, der "Geschichtsstunde", glänzend unterhielt. Die humorvollen Verse nahmen das Wirken großer Künstler in Franken genauestens unter die Lupe. Begleitet von der Würzburger Gitarristin Barbara Hennerfeind.
Los ging es mit Walter von der Vogelweide, der als Minnesänger als Verfechter von Liebesliedern mit Happy End durch halb Europa zog, bis er im Jahr 1220 in Würzburg landete, ein Lehen vom Kaiser erhielt und fortan als reicher Mann religiöse Lieder komponierte. Die musikalische Hinführung erfolgte durch sein Stück "Unter den Linden".
Jeder kennt die beiden: Adam und Eva, in Stein gehauen vor der Würzburger Marienkapelle. Deren Schöpfer Tilman Riemenschneider plagten jedoch anfangs ganz andere Sorgen. Um in Würzburg wohnen zu dürfen, brauchte der aus dem Harz stammende Künstler eine Frau. Nachdem dieses Problem gelöst war, brachte er es bis zum Bürgermeister, was im Bauernkrieg dazu führte, daß er im Gefängnis landete.
Wesentlich besser erging es dem "Bauwurm"-Architekten Balthasar Neumann, der nach dem Studium als Stadtbauleiter sein Lebenswerk, die Würzburger Residenz, erschuf, nebenbei das Trinkwasser verbesserte und ein Abwasserkanalsystem erschuf. Die perfekte Gestaltung des Kaisersaals und des Treppenhauses des Meisterbaus verschlang 22 000 Gulden. Auch die Marotten des "ersten Malers seiner Zeit" akzeptierte man in der Residenzstadt Würzburg, servierte Giovanni Battista Tiepolo täglich 15-gängige Menüs und zahlte seine Miete aus eigener Tasche.
Selbst Mozart ließ sich 1790 in Würzburg nieder - um eine Tasse Kaffee zu trinken, wie er in einem Brief an seine Frau berichtete. Goethe schätzte die örtlichen kulinarischen Genüsse ebenfalls, besonders den Frankenwein. Angeblich trank er drei Flaschen pro Tag. Das Ganze gipfelte in einer Bestellung von 900 Litern Wein. Goethe selbst bezeichnete sich jedoch selbst stets als Genießer - nicht als Säufer!
Mit Auszügen aus Boeses Buch "Ich bin der unsichtbare Herrscher einer magischen Welt" ging es hinab in die Unterwelt des Theater. Dort - im Souffleusenkasten - haust seit 18 Jahren Cornelia Boese. An diesem Ort hatten sie und die Gitarristin sich kennengelernt. Seit dem Jahr 2002 sind sie als Team auf Tournee.
Die Souffleuse, auch gute Fee oder Kastengeist genannt, fristet in ihrem engen, zugigen Kasten ein tristes Dasein. Sie muß Text und Noten punktgenau mitlesen und ist, wenn's mal nicht wunschgemäß funktioniert, stets an allem Schuld.
Den wenigsten dürfte bekannt sein, daß Opernsouffleuse kein Nebenjob für Studenten ist. Ein Musikstudium ist Voraussetzung für diesen Beruf. An der Wiener Staatsoper muß man elf (!) Sprachen beherrschen, da die Stücke dort in der Originalsprache aufgeführt werden. Für die ganze Müh und Qual "als Unterweltphantom mit Hochschulabschluß und Diplom" kann man jedoch aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfen uns so manches Verslein dichten.
Lebensgefährlich kann die Arbeit als Kastengeist sein, wenn der Torero bei "Carmen" mit dem Messerwurf falsch zielt - und dieses im engen Souffleusenkasten landet. "Was in den Souffleusenkasten fällt, darf man behalten", lautet eine Regel unter der flüsternden Zunft. Als eines Abends beim Verbeugen der Dirigent in den Kasten purzelte, machte die Boese als Souffleuse von dieser Regel jedoch einmal eine Ausnahme.
Ob der von sich überzeugte Hauptdarsteller mal einen Akt ausläßt und das Publikum eine halbe Stunde früher nach Hause gehen kann, der Zigeunerbaron die Vorstellung vergißt, der Wecker im Holzkasten piept oder man beim Kuchenbackwettbewerb Deprimierendes über Theater-Hierarchie kennenlernt - jedem Zuhörer wird klar, daß die Arbeit als Souffleuse wenig Beachtung findet und die stundenlange Sitzerei im engen Holzkasten kein Zuckerschlecken ist.
Cornelia Boese hat in ihren Büchern feine, leichte Reime kreiert, treffsicher pointiert und auf wunderbar liebe, witzige, selbstironische Art vorgetragen. Barbara Hennerfeind setzte ihre Gitarre vielfältig als Werkzeug ein. Mit zarten Tönen, bedrohlich imitierten Glockenschlägen oder durch Trommeln und Kratzen auf dem Resonanzkörper.
Zwischen den gedichteten Geschichten erzählte Boese Anekdoten aus dem Würzburger Mainfranken Theater. Manchen durch diese Erlebnisse bei ihr hervorgerufenen Alptraum verarbeitet sie einfach zu kleinen Perlen der Dichtkunst.
Im Anschluß signierte die Autorin in der bis Mitternacht geöffneten Bibliothek fleißig Bücher.

(jr)


Main-Post, 17.Juni 2008

Menschliches und Allzumenschliches

Cornelia Boese und Goethe gaben sich ein Stelldichein

Auf Einladung der Stadtbücherei Eibelstadt verwöhnte die Würzburger Dichterin Cornelia Boese mit Versen und Musik ein aufmerksames und dankbares Publikum. Wie man sehen konnte, ließ sich ein ausverkaufter Saal zu einer musikalisch-poetischen Reise von einer adretten Reiseleiterin führen. Boese verstand es, Mozart und Goethe nicht nur in Würzburg Kaffee und Schoppen genießen zu lassen, sondern brachte sie mit nach Eibelstadt in die Stadtbücherei und ließ sie gleichsam als Besucher dabei sein.
Auch erfuhren die Zuhörer vom Leben der Opern-Souffleuse Boese und von ihrem Schritt zur freischaffenden Künstlerin. Es wurde aber nicht nur aus der Unterwelt des Theaters geplaudert. Boese widmet sich als freischaffende Künstlerin vorzüglich dem Verse-Schmieden, schlägt dabei aber nicht zu wie ein Schmied, sondern versteht es, feine Töne mit einem Schuß Ironie erklingen zu lassen. Gelegentlich hatte man den Eindruck, als hätte beim Schreiben Eugen Roth im Souffleurkasten gesessen, ein Mensch?
Die Eibelstädter wurden erstmals auch aufgeklärt, lyrisch aufgeklärt, wie es eigentlich um ihre Lügensteine stand und steht. Und wer es noch nicht wußte, erfuhr auch, daß Kilian kein Schotte, sondern ein Ire war.
Besonderen Gefallen fanden bei den Zuhörern die Boesen Träume von Cornelia Boese und anderen Zeitgenossen wie Werner Dettelbacher, für den es kein Ulm gab, Karl Knüpfing mit seiner Geknickten im Dom oder Ingo Klünder mit seinem Durchhänger in der Arena von Verona. Das Menschliche und Allzumenschliche beeindruckte und gab Trost. Es war erstaunlich, wer sich den Abend über in der Eibelstädter Pappenheim-Straße dank Boese ein Stelldichein gegeben hatte.
Der Abend war ausgesprochen kurzweilig, anregend und unterhaltsam. Und wer es vergessen hatte, lernte sogar das Schmunzeln wieder. Dies zeigte auch der lang anhaltende Beifall, der für eine Souffleuse ungewohnt ist, an den sie sich aber in Zukunft gewöhnen muß.

Der literarische Abend in der Stadtbücherei wurde begleitet von einem Urgestein der Musikwiedergabe, einem Polyphon aus Großmutters Zeiten. Garantiert umweltfreundlich und energiesparend. Cornelia Boese bediente den kleinen Saurier der Musikinstrumente persönlich.

(Schick/Photo Scheiner)

 

Main-Post, 22.11.2007
 


 

Main-Post, 15.10.2007

Zellerauer Kulturtage 2007

... Etwas über Täume von Würzburger Persönlichkeiten erfuhr man von Cornelia Boese, der ehemaligen "Boesen Souffleuse" am Mainfranken Theater, "die für den Kasten viel zu schade war", wie Reinhard Peter, der Moderator des Abends, fand. "So stieg die gute Fee aus dem Dunkel heraus und schrieb lyrische Stücke."
Was treiben bekannte Würzburger des nächtens so? Pia Beckmann träumte einst, wie sie Boese verriet, sie habe verschlafen und käme ins Rathaus, wo sie alle Ämter unbesetzt findet. Die Bürger bilden Schlangen vom Keller bis zum Dach. Boese trug diesen Traum reimend und sehr zur Belustigung des Publikums vor.